Vom „Bonjour“ zum Alltag auf Französisch
Die Idee für ein Auslandsjahr kam mir, nachdem meine Cousine selbst einige Zeit in Frankreich verbracht hatte. Dadurch wurde ich neugierig und begann, mich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren. Gemeinsam mit meinen Eltern suchte ich nach einer passenden Organisation, führte Gespräche und bereitete meine Bewerbung vor. Nach mehreren Terminen und dem Vorbereitungsseminar der Organisation wurde mir langsam bewusst, dass mein Traum tatsächlich Wirklichkeit werden würde.
Am 5. Januar 2026 war es dann so weit: Mein Schüleraustausch in der Bretagne in Vannes begann. Nach einem langen Reisetag kam ich schließlich bei meiner Gastfamilie, einem älteren Ehepaar, an. Gleich an meinem ersten Tag erwartete mich eine kleine Überraschung: In der Bretagne hatte es geschneit. Obwohl nur etwa zwei Zentimeter Schnee lagen, fielen die Busse aus und viele Schulen blieben geschlossen. Für mich als Deutsche war das ziemlich ungewohnt und gleichzeitig ein lustiger erster Eindruck vom französischen Alltag.
Am Anfang war alles neu – die Sprache, die Schule und das Familienleben. Ich musste mich erst einmal an den französischen Alltag gewöhnen. Nach ungefähr zwei Wochen merkte ich, dass ich langsam immer mehr verstand. Trotzdem dauerte es etwa zwei Monate, bis ich Gespräche gut folgen und mich selbst aktiv daran beteiligen konnte.
Mit der Zeit merkte ich jedoch, dass die Lebensgewohnheiten meiner ersten Gastfamilie und mein Alltag nicht wirklich harmonierten. Gerade die unterschiedlichen Essenszeiten und der Tagesablauf ließen sich nur schwer mit meinem Schulalltag vereinbaren. Deshalb entschied ich mich nach etwa eineinhalb Monaten für einen Gastfamilienwechsel. Nach mehreren Gesprächen mit der Organisation wurde mir schließlich ein Wechsel ermöglicht.
Im Nachhinein war das die beste Entscheidung. Meine neue Gastfamilie nahm mich herzlich auf und ich fühlte mich von Anfang an wohl. Da sie etwas weiter von Vannes entfernt wohnte, lebte ich unter der Woche im Internat und verbrachte die Wochenenden und Ferien bei meiner Gastfamilie. Besonders gut verstand ich mich mit ihrer fünfjährigen Tochter. Wir spielten viel zusammen und ganz nebenbei half sie mir dabei, mein Französisch weiter zu verbessern. In französischen Familien ist es außerdem selbstverständlich, dass auch die Kinder im Haushalt viel mithelfen. Dazu gehörten zum Beispiel Kochen, Aufräumen, Wäsche zusammenzulegen oder Putzen. Daran musste ich mich erst gewöhnen, weshalb ich manchmal auch froh war, unter der Woche im Internat etwas Zeit für mich zu haben.
Auch die Schule war ganz anders als in Deutschland. Ich besuchte die Première (Klassenstufe) einer Privatschule. Der Unterricht dauerte meistens bis 17 Uhr, nur mittwochs hatten wir früher Schluss. Gegessen wurde gemeinsam in der Schulkantine. Ganz normal war es, dass alle Schülerinnen und Schüler mit Tablets arbeiteten. Die Handys mussten zwar zu Beginn jeder Stunde abgegeben werden, trotzdem waren viele während des Unterrichts mit Computerspielen auf ihren Tablets beschäftigt. Das gesamte Schulgelände war außerdem abgeschlossen und man konnte das Gebäude nur mit einer persönlichen Zugangskarte betreten.
Mir fiel auch auf, wie groß der Prüfungsstress für die französischen Schülerinnen und Schüler war-üblich waren einige Prüfungen und Referate pro Woche. Das Sportangebot im Sportunterricht war viel vielfältiger als ich es aus Deutschland kannte. Man hat unter anderem die Wahl von Schwimmen über Yoga, Akrobatik, Zirkus bis hin zu Krafttraining mit Fitnessgeräten und Klettern. Für Letzteres gab es in der Turnhalle sogar einen fest eingebauten Kletterbereich. Das fand ich besonders beeindruckend.
Manche Fächer, vor allem Englisch und Chemie, fand ich deutlich einfacher als in Deutschland. In Mathematik dagegen waren die Schüler schon weiter. Besonders lustig war für mich der Deutschunterricht. Es war witzig zu sehen, wie schwer sich viele Franzosen damit taten, auch nur einen korrekten Satz auf Deutsch zu bilden.
Auch in meiner Freizeit konnte ich viele Erfahrungen sammeln. Da ich in einer der größeren Städte der Bretagne lebte – was bei einem Schüleraustausch eher ungewöhnlich ist –, hatte ich die Möglichkeit, mein Turntraining fortzusetzen. Darüber habe ich mich besonders gefreut, denn das Turnen gehört schon seit vielen Jahren zu meinem Alltag. Der Verein verfügte über eine hervorragend ausgestattete Turnhalle mit fest aufgebauten Geräten.
Rückblickend war mein Auslandsaufenthalt eine unvergessliche Erfahrung. Ich habe nicht nur mein Französisch verbessert und eine andere Kultur kennengelernt, sondern auch viele neue Eindrücke gesammelt und tolle Menschen getroffen. Natürlich lief nicht immer alles wie geplant, aber das gehört zu einem Auslandsaufenthalt dazu. Heute bin ich froh, dass ich mich für diesen Schritt entschieden habe – und ich würde es jederzeit wieder tun.
Lena, 10.Klasse


